Der Alois Osterwalder Lehrstuhl an der National Taiwan Normal University, Taipei, Taiwan

Diese Chronologie der Ereignisse beschreibt, wie längst verloren geglaubtes Liedgut wieder ans Licht kam und zu Ehren des Konservators ein Lehrstuhl gegründet wurde. Das Ostasien-Institut konnte einen großen Beitrag für die Musikforschung zwischen Taiwan und Deutschland leisten.

 

Frühjahr 2012:

Alois Osterwalder zeigt Claire Shu-Jyuan Deiwiks die 57 Tonbänder in den Bücherschränken im Keller des Ostasien-Instituts in Bonn-Ippendorf. OAI-Keller. Das sind die Bänder, die der Musikforscher Shih Wei-Liang Alois in den 70er Jahren gegeben hat. Das OAI hatte damals keinen Fachmann, der diese Bänder bearbeiten oder benutzen konnte. Claire erklärte sich bereit, sich in Taiwan umzusehen.  Shih Wei-Liang ist bedeutend für Taiwan, da er unzählige Volkslieder erstmalig dokumentierte - in Deutschland jedoch ist er kaum bekannt, obwohl er auch hier und in Österreich wirkte. Das Ostasien-Institut wurde von Alois Osterwalder und Shi Wei-Liang gemeinsam gegründet.

22.10.2012:

Claire sucht Prof. Chun-Zen Huang der National Taiwan Normal University (im folgenden Shida 師大) auf. Prof. Huang ist Leiter des Zentrums für Digitalisierung und Archivierung für Musikdokumente an der Shida, die einzige Institution dieser Art in Taiwan. Prof. Huang war sofort begeistert von diesem Fund der Tonbänder. Dieser Fund schließt die Lücke seines Projektes „Shih Wei-Liang Documentation“, das von National Science Council (NSC, jetzt Ministerium of Science and Technology, MOST) gefördert wird.

07.01.-14.01.2013:

Prof. Huang kommt zwei Assistentinnen nach Bonn, um die Tonbänder zu sehen. Bei dieser Gelegenheit fotografiert das Team in Sankt Augustin bei den Steyler Missionaren auch die Peking-Oper-Kostüme und chinesischen Musikinstrumente, die das OAI in Taiwan kaufte und die von Shih Wei-Liang nach Bonn geschickt wurden. Darüber hinaus erhalten Prof. Huang und seinen Mitarbeiterinnen die Tonbänder und ca. 200 Seiten von Briefen von Shih Wei-Liang und Alois. Während des kurzen Aufenthalts wird Alois interviewt, auch Prof. Chiao in Trier, der eng mit Shih Wei-Liang befreundet war. Die Orte, an denen Shih Wei-Liang gelebt hat, werden fotografiert. All dies wurde der Dokumentation über Shi Wei-Liang zugeführt.

März 2013:

Ausstellung der Shi-Wei-Liang-Dokumente aus Deutschland an der Shida unter dem Motto: „Die Shih-Wei-Liang-Dokumente kehren heim“.  Gezeigt werden Tonbänder, Briefe, Programm usw.

Besuche verschidener Institutionen, die für die Aufbewahrung der Tonbänder in Frage kommen, z.B. Music Institute of Taiwan des Kulturministeriums, National Library usw.

Alois und Claire werden von der Kulturministerin Lung Ying-Tai empfangen. Alois wird dafür gedankt, dass er dieses taiwanische Kulturgut so lange (über 40 Jahre) so gut aufbewahrt hat. Seine Unterstützung der Musikstudenten aus Taiwan in den 60er und 70er Jahren wird hervorgehoben und gebührend ausgezeichnet.

OAI und Shida schließen einen Vertrag ab, dass das OAI diese Dokumente als Dauerleihgabe der Shida überlässt, damit die Shida die Arbeit der Digitalisierung und Archivierung unter Leitung von Prof. Chun-Zen Huang durchführt.

Die Vorbereitung der Gründung des Lehrstuhls Alois Osterwalder beginnt, mit Unterstützung des Industriellen Leo Yao, der vorher ein Abkommen mit der Shida unterzeichnet. Leo Yao verpflichtet sich, die Shida bei diesem Unterfangen finanziell zu unterstützen.

28.10.2013:

Gründungsfeier des Alois Osterwalder Lehrstuhls (chinesisch: 國立台灣師範大學歐樂思講座成立大會) zum Tag des Audiovisual Heritage des UNESCO (27.10.) in Taipei.

Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Huang wird gegründet, die für alle Belange des Lehrstuhls verantwortlich ist. Dies beinhaltet:

  1. Digitalisierung und Archivierung der Papierdokumente unter Leitung von Frau Dr. Nora Yeh (Library of Congress in Washington)
  2. Digitalisierung und Archivierung der Tonbänder unter Leitung von Prof. Dr. Dietrich Schüller aus Wien
  3. Veröffentlichung sämtlicher Forschungsergebnisse aus diesen Dokumenten, mit Unterstützung der Academia Sinica. 

Im Rahmen des Alois Osterwalder Lehrstuhls ist jeweils eine Frühjahrs- und Herbstveranstaltung geplant, bei denen ausländische Wissenschaftler an der Shida Gastvorträge aus dem Bereich Digitalisierung und Archivierung von Musikdokumenten abhalten und den Studierenden neues Wissen vermitteln.

Juli 2014:

Vier Studierende der Shida besuchen einen Workshop bei Prof. Schüller in Wien, um die neuste Technik der Digitalisierung von Musikdokumenten zu erlernen. Shida erwirbt anschließend die Geräte für diese Technik. Die Tonbänder werden mit dieser Technik digitalisiert. Das erste Ergebnis zeigt Prof. Huang  im Konzert am 03.10.2014 im Rahmen von "Der Fremde Klang", wo der Anfang des Videostückes aus einem der Tonbänder stammt.

Zukünftige Planung:

Herbst 2015: Abschluss des Projektes „Shih-Wei-Liang-Dokumente in Deutschland“
Digitalisierung der Tonbänder,
Archivierung der Papierdokumente,
die Publikation des kommentierten Katalogs der Dokumente,
Weiterführung des Lehrstuhls Alois Osterwalder.







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